Grenzübergreifendes Flächenmanagement

Voraussetzung für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung im Raum Salzburg

Nördlich von Salzburg bildet die Salzach die Grenze zwischen Österreich und Bayern.

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Zusammenfluß von Saalach und Salzach: rechts Österreich, links Bayern

Viele planerische Fragestellungen und Problemstellungen in der Europaregion Salzburg enden aber nicht an den Ländergrenzen, da die aktuellen wirtschaftlichen, infrastrukturellen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen immer mehr die wechselseitigen Verflechtungen in der Grenzregion prägen. Der immer stärker zusammenwachsende Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensraum erfordert eine grenzüberschreitende Strategie, um in Zukunft gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen und die Entwicklungschancen der Region Salzburg zu nutzen. Diese erforderliche grenzüberschreitende Notwendigkeit zur Planung vom „Halbkreis zum Vollkreis“ wurde im „Masterplan. Kooperatives Raumkonzept für die Kernregion Salzburg“ festgehalten (siehe) und soll eine nachhaltige Raumentwicklung unterstützen.

Das Projekt „Grenzübergreifendes Flächenmanagement – Voraussetzung für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung im Raum Salzburg“ nimmt Bezug zum Masterplan Salzburg und baut auf dem Interreg IVA Projekt EULE auf. Das grenzübergreifende Projektgebiet mit einer Fläche von ca. 516 Quadratkilometern und  ca. 273.000 Einwohnern (Stand 2013) stellt den zentralen Siedlungskern der Masterplan Kernregion Salzburg dar. Auch hier stellen zunehmender Siedlungsdruck, demographischer Wandel, ansteigende Wohnnutzfläche pro Kopf, Trend zu kleineren Haushalten und Zersiedelungstendenzen die aktuellen Herausforderungen in der Raum- und Siedlungsentwicklung dar. Ein zukünftiger sorgsamen Umgang mit dem vorhandenen Bauland und ein grenzübergreifendes Flächenmanagement sind unverzichtbar, um die sozialen, ökologischen, baulichen und landschaftlichen Strukturen möglichst ressourcenschonend und nachhaltig nutzen zu können.

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Anteil der Ein-und Zweiparteienhäuder je Gemeinde

Für eine solcherart zukunftsorientierte Raum- und Siedlungsentwicklung sind jedoch belastbare Daten- und Planungsgrundlagen sowie aussagekräftige Indikatoren zum Thema Flächenverbrauch in Kombination mit Kennzahlen zur demographischen Entwicklung bzw. zu Potenzialen für Nachverdichtung notwendig, damit fachlich fundierte Entscheidungen getroffen werden können. Insbesondere ist auch eine Verknüpfung mit Informationen zur Erreichbarkeit mit Öffentlichen Verkehr, zur Versorgungsqualität mit Einrichtungen der Grundversorgung oder Nahversorgung sinnvoll, um planerische Zielsetzungen (bspw. Region der kurzen Wege) in Planungskonzepten konkretisieren und letztlich realisieren zu können. Es mangelt derzeit vorwiegend an belastbaren und v.a. grenzübergreifend vergleichbaren Kenngrößen zum Flächenneuverbrauch und zum Baulandüberhang im Bestand sowie an Grundlagen für eine grenzübergreifend flächensparende und ressourcenschonende Siedlungsentwicklung. Dieser Bedarf an Entwicklungsarbeit für Fachdaten und Indikatoren besteht sowohl auf österreichischer wie auch auf deutscher Seite. Dieses Thema wird nun in einer umfassenden grenzübergreifenden Länderkooperation zwischen den Bundesländern Salzburg (A) und Bayern (D) (siehe Projektdaten) bearbeitet.

Projektziele

Hauptziel dieses Projektes ist die Erarbeitung von bislang nicht verfügbaren Planungsgrundlagen für die Kommunen und Behörden, um die zukünftigen Herausforderungen der Europaregion Salzburg hinsichtlich Siedlungsdruck und Flächenkonkurrenz in einem gemeinsamen Flächenmanagement zu meistern. Dazu wurden mit Methoden der Geografischen Informationsverarbeitung neue raumanalytische Ansätze und sachthemenorientierte Raumindikatoren entwickelt.

Dies umfasst folgende Arbeitsgebiete:

  • Beurteilung der grenzübergreifenden Vergleichbarkeit vorhandener Datengrundlagen und der fachlichen Belastbarkeit von daraus abgeleiteten Indikatoren
  • Evaluierung von raumbezogenen Indikatorenkonzepten, GIS-Analysemodellen und Bewertungskriterien zur großmaßstäbigen Ableitung von Baulandpotenzialen im Bestand
  • Entwicklung von Indikatoren zum Flächenverbrauch; u.a. auch zur Lokalisierung möglicher flächenineffizienter Trends
  • Entwicklung eines Konzepts zur Gegenüberstellung demographischer und baulicher Entwicklungen auf großmaßstäbiger Ebene: z.B. Analyse historischer Entwicklungen als Grundlage für Szenarien
  • Evaluierung von räumlichen Indikatoren zur Siedlungsentwicklung (infrastrukturelle Standortqualitäten) mit GIS-gestützten Methoden unter Berücksichtigung der grenzübergreifenden Datenverfügbarkeit

Projektmodule

Die Projektziele werden in drei miteinander in Beziehung stehenden Umsetzungsmodulen bearbeitet:

Entkopplung von Bevölkerungs- und Flächenentwicklung im Gemeindevergleich

Modul 1: Demographische und bauliche Entwicklung
Bearbeitung durch Leadpartner Research Studios Austria Forschungsgesellschaft GmbH, Studio iSPACE und GI-PLUS
Aufbereitung der Trends zur demographischen Entwicklung sowie zur Flächeninanspruchnahme. Darstellung der Entkopplung von baulicher und demographischer Entwicklung; Lokalisierung flächenineffizienter Trends zur Sensibilisierung der Entscheidungsträger für ein zukunftsweisendes grenzübergreifendes Flächenmanagement

Modul 2: Baulandpotenziale
Bearbeitung durch Leadpartner Research Studios Austria Forschungsgesellschaft GmbH, Studio iSPACE
Evaluierung von GIS-Modellen und Bewertungskriterien zur großmaßstäbigen Abschätzung von Baulandpotenzialen im Bestand (auf Grundstücksebene); räumliche Differenzierung nach Dichte oder Gemeindetyp

 

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Verortung der Geschäfte des Lebensmitteleinzelhandels

Modul 3: Indikatoren zur zukünftigen Siedlungsentwicklung
Bearbeitung durch GI-PLUS
Evaluierung von räumlichen Indikatoren zur zukünftigen Siedlungsentwicklung unter Berücksichtigung der grenzübergreifenden Datenverfügbarkeit; Integration von infrastrukturellen (Wohn-)Standortqualitäten für Baulandpotenziale; Prüfung von Möglichkeiten für ein grenzübergreifendes interaktives Informationstool

Ergebnisse

Als Ergebnis entstehen belastbare großmaßstäbige Indikatoren, die die Themen Flächenverbrauch, bauliche und demographische Entwicklungen sowie Flächenreserven im Baulandbestand und deren infrastrukturelle Qualität verknüpfen. Dadurch kann möglicher Handlungsbedarf räumlich auch unterhalb der Gemeindeebene lokalisiert werden und so der Prozess der Konkretisierung einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung hin zu einer Umsetzung unterstützt werden. Es werden Ergebnisse bereitgestellt, die für Fachbehörden, Kommunen und Politik in der Regionalentwicklung unmittelbar anwendbar und in Planungskonzepten und -programmen einsetzbar sind.

Projektbericht

Der Projektbericht  kann  hier heruntergeladen werden.

Dieses Projekt wurde gefördert von der Europäischen Union mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (INTERREG IV A ).

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